Trockener Humor und allerhand Ironie: Marc-Uwe Kling und sein Känguru

Grafik Känguru-Chroniken Hörbuch

Mit den „Känguru-Chroniken“ ist Marc-Uwe Kling im Jahr 2009 überraschend ein Bestseller gelungen. Episodenhaft schildert er darin das Zusammenleben mit einem kommunistischen Känguru. Doch das Buch ist gar nicht das Beste an der Sache. Viel begeisterter bin ich von dem dazugehörigen Hörbuch, das der Autor selbst einliest.

Dank des großen Erfolges sind inzwischen zwei weitere Titel erschienen, in denen Kling sein Leben und das des Beuteltiers schildert. „Das Känguru-Manifest“ bildet den zweiten Teil, als drittes folgt „Die Känguru-Offenbarung“. Von einem vierten Teil ist bisher nichts zu hören, auch wenn viele Fans darauf hoffen, dass es bald Neues von dem schrägen Duo gibt.

Die Geschichte: Worum geht’s?

Die Känguru-Chroniken

Wer sich über ein Hörbuch mit einer gehörigen Portion Alltagsironie und abwechselnd tiefgründigem und flacherem Witz freuen kann, ist hier genau richtig. Das Känguru, das überzeugter Kommunist und Überlebenskünstler ist, zieht erst einmal bei Marc-Uwe Kling gegenüber ein. Doch diese Situation bleibt nicht lange bestehen: Schon nach kurzem Kennenlernen über Eierkuchen und Nirvana bezieht das Känguru das Wohnzimmer des Kleinkünstlers (oh, das schlimme Wort!). Und ungefähr ab diesem Punkt werden die beiden zu einem unzertrennlichen Duo. Gespickt durch reichlich Wortwitz, Ironie, Sarkasmus und intelligenten Humor begleitet man Marc-Uwe und das Känguru zu Demonstrationen, ins Kino und in den Supermarkt. Was erst einmal langweilig klingen mag. Doch Kling schafft es in die Geschichten Gesellschaftskritik, Infragestellung von Wirtschaft und Politik und täglichen Marotten mit aufzunehmen. Sicherlich wird nicht jeder auch jeden Witz verstehen. Denn diese beziehen sich auf philosophische Werke, unzählige Filme, Literatur, Politik, aber auch auf alltägliche Situationen. Allerdings bleibt das Hörbuch auch dann witzig, wenn man keinen einzigen dieser Bezüge versteht.

Das Känguru-Manifest

Und hier geht es weiter, in guter alter Manier, wie man sie aus dem ersten Teil kennt. Mit seinem sehr speziellen Humor erzählt Kling wieder Geschichten aus dem Zusammenleben mit dem Känguru. Dieses hat sich inzwischen eine Organisation aufgebaut, die sich das „asoziale Netzwerk“ nennt und mit Anti-Terroranschlägen das gesellschaftliche System zernagen will. Mit diesen „Anschlägen“ wird auf humorvolle Art auf Dinge aufmerksam gemacht, die man in unserer Gesellschaft durchaus einmal hinterfragen könnte. Seien es nun die Informationsmüll-Monitore in den U-Bahnen, die wir nutzen statt uns zu unterhalten oder während der Fahrt ein gutes Buch zu lesen, oder das massive Sammeln von Daten aller Art. Ein wenig skurriler, ein wenig verrückter ist die Fortsetzung. Und die Situationen sind dann doch etwas weniger alltäglich…

Die Känguru-Offenbarung

Nach langem Warten und großer Ungeduld von Seiten der Fangemeinde ist dann endlich der dritte Teil der Känguru-Chroniken erschienen. In dieser erleben Kling und das Känguru nicht nur eine völlig verrückte Reise rund um die Welt, sondern Kling greift auch etliche Dinge auf, die er als Reaktion auf die ersten beiden Teile bekommen hat. Die oft gestellte Frage, welches Geschlecht das Känguru nun hat, da es sich sehr männlich verhält, aber einen Beutel hat, webt er direkt mit ein. Das Känguru tritt nämlich in den verschiedensten Verkleidungen auf, da es sich vor der Polizei verstecken muss. Und diese Verkleidung spiegeln sowohl männliche, als auch weibliche bekannte Rollen wider, teilweise aus Filmen, teilweise aus Romanen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich mich mehr als einmal beraten lassen musste, um herauszufinden, welche Figur dargestellt wird. Ich kenne einfach nicht genügend Filme…

Aber zurück zum Inhalt. In der Känguru-Offenbarung verfolgen die beiden Protagonisten den Pinguin, früherer Nachbar und erklärter Antagonist des Kängurus, rund um den Globus. Die Geschichte wird bizarrer, denn das Känguru hat sein asoziales Netzwerk ganz in Fightclub-Manier ausgebaut und der Pinguin strebt nach nichts anderem als der Weltherrschaft. Übrigens: Jeder, der schon einmal in Vietnam war, wird über die Vietnam-Kapitel sehr lachen können. Ich fand das einfach zu schön.

Der Sprecher: Wer liest das Hörbuch?

Der Autor Marc-Uwe Kling liest das Hörbuch selbst vor einem Live-Publikum ein. Allerdings schafft er es, sich selbst und der Figur des Kängurus so verschiedene Stimmen zu verleihen, dass ich beim ersten Hören dachte, dass es sich um zwei Sprecher handelt. Und auch sonst liest er ziemlich fantastisch. Durch die trockene Art die Kapitel zu lesen, bringt den darin enthaltenen Humor erst so richtig zur Geltung. Mal ironisch und sarkastisch, mal genervt, müde, verärgert, lallend und betrunken – Kling bietet seinen Zuhörern ein ganzes Repertoire an Gemütszuständen und Ausdrücken. Etliche Bekannte von mir haben das Buch gelesen und haben nicht wirklich verstanden, warum die Geschichte so unglaublich viel Begeisterung ausgelöst hat. Mein Tipp für jeden, der die Geschichten um das Känguru gelesen und nicht gehört hat: Hört euch das Hörbuch an. Durch das Vorlesen, das genauso stattfindet, wie der Autor sich das gedacht hat, bekommen die Geschichten erst den Witz, den sie eigentlich haben sollen.

Wie viele und welche Teile gibt es bisher?

Bisher gibt es drei Teile um Marc-Uwe Kling und das bei ihm lebende Känguru. Angefangen hat es mit den „Känguru Chroniken“, das erst nur als gekürzte Hörbuchfassung mit zwei CDs erschienen ist, dann aber auch noch einmal als ungekürzte Version. Man könnte meinen, dass dieser Umstand dem großen Erfolg des ersten Teils zu verdanken ist. Darauf gefolgt ist das „Känguru-Manifest“, das mein persönlicher Lieblingsteil der Reihe ist. Als dritter Teil ist die „Känguru-Offenbarung“ erschienen, in denen Marc-Uwe und das Känguru rund um die Welt reisen, auf einem etwas verwirrten, chaotischen Trip.

Muss ich die anderen Teile kennen, um Teil 2 und Teil 3 zu hören?

Prinzipiell sind sogar die einzelnen Kapitel so aufgebaut, dass man sie einzeln hören kann, solange man weiß, dass Marc-Uwe und das Känguru gemeinsam in einer WG leben. Noch witziger sind die Kapitel aber, wenn man die Hintergründe kennt. Etliche Witze entstehen nämlich auch durch Wiederholungen oder Verdrehungen der eigenen Geschichte oder bauen auf ein anderes Kapitel auf. Wer also das Känguru-Manifest hört, ohne die Känguru-Chroniken zu kennen, wird es trotzdem witzig finden und sich gut unterhalten fühlen, aber empfehlenswert ist es schon, mit dem ersten Teil zu beginnen und alles zu hören. Trotzdem ist das kein Hörbuch, das komplett am Stück oder recht zügig hintereinander weg gehört werden müsste. Die Kapitel sind einzeln witzig und taugen auch für kurze Autofahrten zur Arbeit oder für Gelegenheitshörer, die nur dann und wann einen kurzen zehnminütigen Abschnitt hören möchten. Bekannt geworden sind die Geschichten überhaupt erst, weil sie kapitelweise im Berliner Radio liefen, vorgelesen natürlich vom Autor selbst. Und wie das mit der Zuhörerschaft eines Radios ist, die einem gesprochenen Text oft nicht sehr lang zuhören kann, mussten die Kapitel kurz und knackig erzählt sein und auch dann verständlich, wenn man nicht zu jeder Folge regelmäßig einschaltet.

Gibt es weitere Hörbücher von Marc-Uwe Kling?

Neben dem inzwischen fast allzu bekannten Känguru ist noch „Über Wachen und Schlafen: Das Standardwerk des systemrelevanten Humors“ erschienen, das Geschichten und Gedichte von der Kreuzberger Lesebühne beinhaltet. Hier gibt es auch eine beiliegende CD mit Vertonungen. Allerdings ist hier nicht ausschließlich Marc-Uwe Kling zu hören. Ebenfalls von der Lesedüne erschienen ist „Über Arbeiten und Fertigsein“, das nach gleichem Konzept Geschichten von Marc-Uwe Kling, Julius Fischer, Sebastian Lehmann und Maik Martschinkowsky enthält. Zudem gibt’s die Kindergeschichte „Prinzessin Popelkopf“ auch für die Ohren.

Außerdem gibt es zum Hören noch musikalische Werke des Künstlers, die aber Geschmackssache sind. Genauso gesellschaftskritisch und mit bissigen Texten sind die Lieder aber nach musikalischen Gesichtspunkten nicht ganz mein Geschmack. Aber probiert es selbst aus!

Das Känguru Live und zahlreiches Zubehör

Immer wieder tourt Marc-Uwe Kling durch Deutschland, um sein Känguru live vorzutragen und dazwischen das ein oder andere Lied zu spielen. Wer mit dabei sein möchte, kann sich auf der Seite von Marc-Uwe Kling informieren, wann die nächsten Auftritte sind und sollte sich ranhalten – denn die Karten sind meist heiß begehrt und die Veranstaltungen schnell ausverkauft.
Wer einem Känguru-Fan eine Freude machen möchte, kann ihn mit dem Kartenspiel „Halt mal kurz“ beglücken, in dem man seine Mitspieler ausgiebig ärgern kann oder mit dem „falschen Kalender“, der die beliebten falsch zugeordneten Zitate für jeden Tag bereit hält. Neu ist momentan „The Game of Quotes“, ein weiteres Kartenspiel. Im Shop gibt’s aber auch schöne Kleinigkeiten, die auf Pointen aus den Hörbüchern anspielen, wie ein Turnbeutel mit aufgedrucktem Känguru, auf dem „der ist angewachsen“ steht, Plakate, Scheißverein-Aufkleber und Witzig- und Nicht Witzig-Stempel.

Insgesamt: Viele Stunden beste Unterhaltung

Ja, wahrscheinlich hat man dem Artikel schon angemerkt, dass ich ein äußerst begeisterter Fan dieser Hörbücher bin. Ich muss auch beim hundertsten Mal Hören noch laut darüber lachen und kann mich einfach nicht entscheiden, welches nun mein allerliebstes Kapitel ist. Natürlich hängt es stark vom eigenen Humor ab, ob man das Känguru witzig oder doof findet. Mein Freundeskreis war restlos begeistert, egal in welchem Alter. In verschiedenen Rezensionen habe ich allerdings auch schon gelesen, dass einige das Känguru nicht mögen. Deshalb möchte ich euch vorwarnen: Ihr solltet ein bisschen Interesse für Bildung mitbringen (vielleicht – aber das hast du wahrscheinlich auch, wenn du den Artikel bis hier her gelesen hast), ein bisschen Interesse für Kultur (auch optional) und auch mal über euch selbst lachen können (auf jeden Fall!).

Man muss auch nicht jeder politischen Meinung von Kling und dem Känguru zustimmen, um diese Hörbücher toll zu finden. Allerdings sollte man nicht überzeugter Rechter sein, dann wird man – äh – doch eher keinen Spaß an den Geschichten haben. Achja, und streng gläubig sollte man eventuell auch nicht sein.

Ich selbst bin restlos begeistert und kann jeden Teil davon mittlerweile auswendig mitsprechen. Und wie bereits erwähnt, das hier sind nicht nur Hörbücher für Leute, die wie ich auch gern mal 12 Stunden am Stück hören. Die kurzen Episoden eignen sich bestens für Gelegenheitshörer und auch auf kurzen Autostrecken.

Hier könnt ihr euch eine Hörprobe von allen drei Teilen anhören:



Grafik Känguru Marc-Uwe Kling
Marc-Uwe Kling hat mit den Käguru-Chroniken einen Bestseller geschrieben und vertont.

Habt ihr die Hörbücher auch gehört? Und natürlich: Wie fandet ihr sie? Habt ihr Lieblingskapitel?

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