Mitreißende Fantasy: „Der Ring der Händler“ von Robin Hobb

Bild Der Ring der Händler

Endlich habe ich mal wieder ein Fantasy-Hörbuch gehört, von dem ich über alle Maße begeistert bin und es nun kaum abwarten kann, endlich den nächsten Teil zu beginnen. Die Rede ist von Robin Hobbs‘ Meisterwerk „ Der Ring der Händler “, das den Auftakt zu einer Triologie bildet die als „die Zauberschiffe“ bezeichnet werden. Auch wenn die deutsche Übersetzung „Zauberschiffe“ genau wie der Titel im englischen Original „the Ship of Magic“ etwas geschwollen und vielleicht ein wenig kitschig klingt, sollte man sich davon auf keinen Fall abhalten lassen, das Buch zu hören. Bereits 1998 ist die Geschichte das erste Mal erschienen, jetzt wurde sie durch den Ronin Hörverlag vertont. Und zwar nicht irgendwie vertont, sondern mit dem fantastischen Sprecher Matthias Lühn, den ich schon in den Hörbüchern um Locke Lamora als Sprecher kennen und lieben gelernt habe. Und die Autorin Robin Hobb kannte ich auch schon: Von ihr habe ich die „Weitseher“-Trilogie gehört (und zwar ziemlich lange Hörbücher in ziemlich kurzer Zeit, ich kann sie nur empfehlen) in deren Mittelpunkt der junge Fitz Chivalric steht. Nun aber zu dem Hörbuch, um das es hier eigentlich gehen soll: Darf ich vorstellen? Der „Der Ring der Händler“.

Zur Geschichte: Leben rund um das Zauberschiff Viviace

Wo soll man da anfangen? Die Geschichte wird aus so vielen verschiedenen Perspektiven geschildert, dass der Hörer erst nach und nach die Zusammenhänge zwischen den Figuren erkennt und sich der Handlungsstrang herauskristallisiert. Da gibt es Kenneth, der Pirat aus Leidenschaft ist und sich gern zum König der Seeräuber aufschwingen würde. Unwahrscheinliches Glück spült ihn dabei von einem glücklichen Zufall zum nächsten. Wintrow lernt man zunächst als Klosterschüler kennen, der voll und ganz in seinem Dasein als Mönch aufgeht. Bis seine Familie ihn zurückruft und er plötzlich Seemann werden soll. Die anderen Mitglieder seiner Familie, der Familie Vestrit, lernt man einzeln kennen und bekommt dadurch ein umfassendes Bild der alten Handelsfamilie. Die Familie besitzt Land und ein sagenhaftes Lebensschiff, das einen ganz besonderen Wert hat. Doch neue Händler, die mit Sklaven handeln und arbeiten, bedrohen Wohlstand und Ansehen der Familie – ganz abgesehen von den eigenen Konflikten, die zwischen den einzelnen Familienmitgliedern ausgetragen werden.

Nach zaghaftem Kennenlernen, bei dem man zuerst das Gefühl hat, nur einzelne Puzzleteile oder Bruchstücke zu sammeln, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Robin Hobb schafft es die Hörer zu fesseln, ihn mit den Figuren mitfühlen zu lassen. So nimmt sie den Hörer mit auf die raue See, wo Mysterien und Abenteuer warten.

Ich mochte es sehr, dass die Geschichte in der gleichen Welt spielt, in der auch die Weitseher-Trilogie inszeniert ist. Zwar sind die Weitseher-Länder weit entfernt von den Ländern und Gewässern, in denen die Zauberschiffe spielen, sodass die Handlungen der Geschichten sich in keinster Weise berühren oder beeinflussen, aber man erkennt als aufmerksamer Hörer immer wieder Namen von Städten, Gebieten und Ländern wieder. Wenn ein Autor so etwas nebenbei einflechtet, huscht mir jedes Mal ein Lächeln übers Gesicht, wenn solch eine Kleinigkeit auftaucht. Natürlich muss man die „Weitseher“ aber nicht kennen, um die „Zauberschiffe“ zu hören. Die Handlungen selbst haben schließlich nichts miteinander zu tun.

Zum Sprecher von Der Ring der Händler: Matthias Lühn

Matthias Lühn kannte ich schon, bevor ich dieses Hörbuch angefangen habe, recht gut und zwar aus den drei Teilen rund um die Gentlemen-Ganoven mit dem Anführer Locke Lamora (die ich übrigens auch nach dem vierten Mal Hören schlichtweg liebe!). Als ich ihn das allererste Mal lesen gehört habe, fand ich seine Art Vorzulesen etwas gewöhnungsbedürftig und brauchte ein paar Stunden, bis ich das mochte. Nach so vielen Stunden des Zuhörens mag ich ihn als Hörbuchsprecher aber sehr gern.
Den ersten Teil der Zauberschiffe-Trilogie spricht er jetzt wieder meisterhaft. Mal färbt er seine Stimme rauchig und mysteriös, verleiht ihr einen rauen und zugleich düsteren Klang. Ein anderes Mal gibt er einer Figur eine zögerliche Stimme, spricht unsicher und fast unterwürfig. Nur um gleich darauf zu einer schnippisch-sarkastischen Betonung eines anderen Charakters zu wechseln. Und das gefällt mir an Matthias Lühn auch ganz besonders gut: Der Wechsel zwischen den verschiedenen Charakteren, die er so einzigartig und ausgeprägt spricht, dass wirklich jeder seinen ganz eignen Klang hat. Dadurch schafft er es, dass die individuellen Charakterzüge der Figuren noch viel weiter ausgeprägt werden und dadurch ein ganz besonderes Hörerlebnis entsteht.

„Der Ring der Händler“ – Das Hörbuch insgesamt

Erst ist es etwas ungewohnt, aber dann hat es mir sehr gut gefallen, dass dieses Mal aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Ein Kapitel bekommt man aus der Sicht von Althea geschildert, eine junge Seefahrerin, die auf dem Schiff ihres Vaters Ephron fährt und ständig Schwierigkeiten mit ihrem Schwager Kyle hat, der als Kapitän auf dem Schiff ist. Man teilt ihre Gedanken und Gefühle, ihre Sicht der Dinge. Über ihre Mutter hat sie zwiespältige Gedanken, da sie sich nicht so nahe stehen, während sie sehr an ihrem kranken Vater hängt. Die nächste Episode ist dann aus der Sicht ihrer Mutter erzählt, die sich zu Hause um ihren kranken Mann kümmert. Dinge, die vorher aus der Sicht ihrer Tochter berichtet wurden, werden nun durch ihre Augen beleuchtet und plötzlich werden Beweggründe und Handlungen von ihr viel nachvollziehbarer und klarer für den Hörer. Und so zieht es sich weiter: Eine Episode aus dem Leben des Enkels Wintrow, der ein Leben im Kloster führt und nach Hause gerufen wird, dann wieder die des Großvaters. Die Sicht eines Seemannes im Streit, darauf folgend die Sicht von Althea, die ganz anders über ihn denkt als er von sich selbst.

So lernt man jede Figur sowohl von innen als auch von außen kennen, ihre eigene Wahrnehmung von sich selbst und die der anderen Personen, die mit ihr Umgang pflegen. Ich finde das einen wunderbaren Ansatz, eine Geschichte zu erzählen, auch wenn die Idee erst einmal sehr ungewöhnlich und auch ungewohnt ist. Ein oder zwei Erzähler, oder eine Geschichte, die manchmal aus verschiedenen Perspektiven abweicht, ist man gewöhnt. Aber diese vielen Wechsel machen die Geschichte zu einem ganz eigenen Erlebnis. Ich finde, dass das ein wunderbarer Kunstgriff von Robin Hobb ist, der einem selbst auch vor Augen führt, wie sehr sich Eigen- und Fremdwahrnehmung manchmal unterscheiden. Außerdem hat man so die Möglichkeit, mit jeder einzelnen Figur mitzufühlen und bringt auch Verständnis für Entscheidungen auf, die eigentlich aus der Perspektive, aus der sie grade geschildert werden, vielleicht ungerecht oder sogar grausam erscheinen. Schließlich kennt man Hintergründe und Beweggründe der anderen Figuren ebenso gut.

Wenn ihr Fantasy mögt und nicht unbedingt Elfen oder Hobbits in der Geschichte auftauchen müssen, dann möchte ich euch dieses Hörbuch ans Herz legen. Es ist unheimlich spannend erzählt und auch gelesen und schafft es, seine Hörer wahrlich mitzureißen.

Am allerbesten ist es, wenn ihr euch gleich selbst einen Eindruck verschafft. Hier könnt ihr beim Ronin Hörverlag in die Geschichte reinhören:

Der Ring der Händler (Die Zauberschiffe 1)

oder ihr hört hier rein:



Du hast das Hörbuch “ Der Ring der Händler “ auch gehört? Dann lass mir doch einen kurzen (oder langen, ganz wie du magst) Kommentar da, und berichte, wie es dir gefallen hat! Ich bin gespannt auf deine Meinung, Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich 😉



Robin Hobb Der Ring der Händler Cover Bild

Ronin Hörverlag Logo




  • Art: Hörbuch, ungekürzte Lesung
  • Dauer: 16 Stunden 07 Minuten
  • Sprecher: Matthias Lühn
  • Kategorie: Fantasy
  • Erschienen bei: Ronin Hörverlag (http://www.ronin-hoerverlag.de/ )
  • Erschienen: Dezember 2016
  • Teil einer Reihe? : Der Ring der Händler ist der erste Teil der Chronik „Die Zauberschiffe“ von Robin Hobb




Bildquellen: Ronin Hörverlag (alle Bilder)

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Ein Kommentar bei „Mitreißende Fantasy: „Der Ring der Händler“ von Robin Hobb“

  1. […] Kaum hat das Hörbuch begonnen, findet man sich auch schon mitten im Strudel der Ereignisse wieder. Die Rede ist von zweiten Teil der „Zauberschiffe“-Reihe der Fantasy-Autorin Robin Hobb, der „ Viviaces Erwachen “ heißt und nahtlos an den ersten Teil „Der Ring der Händler“ anschließt. Wie zuvor taucht man tief in die fiktive Welt ein und teilt Gedanken und Gefühle der verschiedensten Figuren. Ihr habt den ersten Teil noch nicht gehört? Dann lest lieber zuerst die Rezension zum ersten Teil, ihr findet sie hier. […]

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